Sonntag, 24. Mai 2009

"Richtige" Kritik

Die Mängel aufdecken ist nicht genug; ja man hat Unrecht, solches zu tun, wenn man nicht zugleich das Mittel zu dem besseren Zustande anzugeben weiß.

Aus Dichtung und Wahrheit

Donnerstag, 21. Mai 2009

Abwehr gegen einen Irrtum

Denn gewöhnlich wehrt sich der Mensch, so lange er kann, den Toren, den er im Busen hegt, zu verabschieden, einen Hauptirrtum zu bekennen und eine Wahrheit einzugestehen, die ihn zur Verzweiflung bringt.

Aus Lehrjahre

Mittwoch, 20. Mai 2009

Götterwonne

Dies hohe Leben, diese Götterwonne!
Du, erst noch Wurm, und die verdienest du?
Ja, kehre nur der holden Erdensonne
Entschlossen deinen Rücken zu!
Vermesse dich, die Pforten aufzureißen,
Vor denen jeder gern vorüberschleicht!

Aus Faust I, Nacht

Donnerstag, 14. Mai 2009

Gärten ohne Zwang

Niemand glaubt sich in einem Garten behaglich, der nicht einem freien Lande ähnlich sieht; an Kunst, an Zwang soll nichts erinnern, wir wollen völlig frei und unbedingt Atem schöpfen.

Aus Wahlverwandtschaften II, 8

Montag, 11. Mai 2009

Guter und übler Humor

Der Humor entsteht, wenn die Vernunft nicht im Gleichgewicht mit den Dingen ist, sondern entweder sie zu beherrschen strebt und nicht damit zu Stande kommen kann: welches der ärgerliche oder üble Humor ist; oder sich ihnen gewissermaßen unterwirft und mit sich spielen lässt, salvo honore: welches der heitre Humor oder der gute ist.

Aus Maximen und Reflexionen

Sonntag, 10. Mai 2009

Gewalt der Musik

Die ungeheure Gewalt der Musik auf mich in diesen Tagen! Die Stimme der Milder, das Klangreiche der Szymanowska, ja sogar die öffentlichen musikalischen Exhibitionen des hiesigen Jägerkorps, falten mich auseinander, wie man eine geballte Faust freundlich flach hält.

An Zelter am 24.8.1823

Freitag, 8. Mai 2009

Was Hypothesen bewirken

Alle Hypothesen hindern den Anatheorismos, das Wiederbeschauen, das Betrachten der Gegenstände, der fraglichen Erscheinungen von allen Seiten.

Aus Maximen und Reflexionen

Donnerstag, 7. Mai 2009

Verfall der Kunst

Eines der vorzüglichsten Kennzeichen des Verfalles der Kunst ist die Vermischung der verschiedenen Arten derselben.

Aus Schriften zur Kunst, Propyläen, Einleitung

Dienstag, 5. Mai 2009

Wider den Zwang zum Glück

Ein Mensch, der sich glücklich preist und von andern verlangt, dass sie das Gleiche tun sollen, versetzt uns in ein Missbehagen, ja die Wiederholung solcher Gesinnungen macht uns Langeweile.

Aus Dichtung und Wahrheit II, 8

Montag, 4. Mai 2009

Menschlicher Umgang

Es ist keinem Zweifel ausgesetzt, dass derjenige, der in Geschäften arbeitet und um der Menschen willen manches unternimmt, auch mit Menschen umgehen, Gleichgesinnte aufsuchen und sich, indem er ihnen nützt, auch ihrer zu seinen Zwecken bedienen müsse.

Schriften zur Literatur, Eröffnungsrede der Freitagsgesellschaft